7.9.10

Dingwelt

Und auf einmal gewinnen Gegenstände an Bedeutung: diese Wimperntusche hat bereits eine kleine Weltreise hinter sich gebracht. Als ich einmal wegen unglücklicher Umstände viel länger als geplant in der Heimat geblieben bin, habe ich den Mascara von einer Freundin geschenkt bekommen. Quasi, damit die Tränen schnell trocknen und ich wieder ein bisschen Farbe in mein Leben bringe. Danach verweilte die schwarze Bürste auf einer Mittelmeerinsel, wo der Mann, mit dem ich damals verweilte, ein Apartment hatte. In einer kleinen antiken Truhe neben dem Bett lag der Mascara zwischen meinem Schmuck und wurde abends in die Strandbar ausgeführt. Zurück in Deutschland, neuer Mann. Der Mascara hatte es sich in der schönen Wohnung meines neuen Freundes gemütlich gemacht und zwar in einem bunten Täschchen, das mir eine Freundin aus Argentinien mitgebracht hatte. Zum Sonntagsfrühstück im Café konnte ich so schnell die Feierei vom Vorabend vertuschen. Nach einer dieser berühmten Übergaben ist der Mascara wieder bei mir Zuhause und steht in einer alten Olivendose mit seinen Kumpels Concealer und Kajal. Ich hoffe, er hält noch ein wenig. Vielleicht geht er ja auch mal wieder auf Reisen. Ich mag das, wenn man ein Gespür für die Dinge hat, die einen umgeben oder die man aufträgt. Man muss ja nicht gleich wie ich Gefühle dafür entwickeln, aber bewusst wahrnehmen, was einen so umgibt und vielleicht auch warum.

Kommentare:

Fräulein Julia hat gesagt…

Also, entweder wechselst du zu häufig deine Männer oder zu selten deinen Mascara! ;)

Nina hat gesagt…

Hihi! Ich hab mehrere (also Mascara!) ;O)