26.6.10

Am Hobel poltern

Ob es wohl in jeder Familie sprachliche Interna gibt? Mir jedenfalls fällt auf, ich benutze manchmal Wörter, die ich von meinen Eltern gelernt habe, aber die viele nicht zu kennen scheinen, z.B. "Döker". Döker, bzw. das Adjektiv "dökerig" bezeichnet einen Beschaffenheitszustand von Dingen, der nicht hochwertig ist, etwa ein Stuhl, der aussieht, als könne er nicht viel Belastung ab oder ein Nussknacker aus Plastik, dem man schon vor dem Benutzen ansieht, dass er nichts taugt. Oder, kurz gesagt, alles was man bei Manufactum kaufen kann, ist kein Döker. "Trutschig", mit langem u, bedeutet so viel wie tantenhaft, etwas ein wenig aus der Mode gekommenes, z.B. Kleidung, Haarschnitt, Interieur oder auch einfach ein Typ Frau, der ein bisschen unangenehm nervig, weil stillos ist. "Muscheln" hingegen ist ein schönes Verb und ist, wenn man das sch wie das J von Jeans ausspricht, der Superlativ von kuscheln. Man muschelt miteinander, Anziehsachen können muschelig sein und man kann sich so richtig schön in eine warme Decke einmuscheln. Aber jetzt kommt´s: wenn Großmutter oder Mutter zum Ausdruck bringen wollen, dass jemand sie mal am Arsch lecken könne, wird der Ausdruck "der kann mich mal am Hobel poltern" gebraucht. Und dazu gibt es bei Google bisher genau null Einträge...

22.6.10

Samstags in die Innenstadt? Nicht in Köln...

...kommt lieber am 26.06. zum Supermarkt auf dem Offenbachplatz bei der Oper. Auch so ein netter Programmpunkt der c/o pop, dort könnt Ihr endlich Eurem Vorsatz nachgehen, mal weniger bei H+M einzukaufen, denn hier ist alles selbstgemacht, sogar das Bio-Eis, korrekter geht´s nicht. Falls Ihr Kinder habt und die Euren Shoppingrausch nicht mitbekommen sollen, könnt Ihr die Kleinen im popkulturellen Spieleparadis abgeben! Findet Ihr die Welt der Onlineshops manchmal auch schrecklich unübersichtlich? Am Samstag habt Ihr die Möglichkeit, viele Dawanda-Shops live und in Farbe zu besuchen, z.B. http://www.alojaberlin.com/ http://www.rrrobot.com/ http://www.snurkbeddengoed.nl/ http://www.zuckerloeffel.de/ http://www.antiglamourleague.de/ http://www.zerlett.de/ http://www.silberfischer.com/ http://de.dawanda.com/shop/miaumau http://de.dawanda.com/shop/nicedesign http://de.dawanda.com/shop/gutjahr http://de.dawanda.com/shop/waldbrand http://www.maedchenwahn.com/ http://www.streichzart.com/ http://www.blumenbotschaft.de/ http://www.dammerstoff.de/ http://www.hopstaschen.de/ http://www.knipsundco.de/ http://www.trinkhallen-schickeria.de/ http://www.knowme-label.de/ http://www.luminaut.de/ Und wäre das alles nicht genug, gibt es eine garantiert unlangweilige Tombola, bei der jedes Los gewinnt. Für mich als Glücksspiel-Fan eigentlich ein Muss, stünde ich nicht an dem Tag bei den PollerWiesen hinter der Theke. Euch aber viel Spaß, kauft, lasst Euch beschenken und kommt später für ein Bierchen zu mir an den Rhein!

20.6.10

Es folgt ein kleiner Auszug daraus, was ich so für meine Magisterarbeit lese. Heute: Nicolaus Sombarts Essay Über die schöne Frau aus den 50er Jahren:

"Denn wie ist denn das Weib dem anthropologischen-medizinischen Befund nach beschaffen? Kurzbeinig, großbusig, breithüftig (`gebärfreudiges Becken´) mit schmalen, fallenden Schultern, rundlich, mit vorgeschobenem Bauch und eingedrücktem Kreuz. Und wie ist die `schöne Frau´beschaffen? Langbeinig, schmalhüftig, kleinbusig, breitschultrig, gertenschlank. Man hat einen Namen dafür gefunden: das `Fetisch-Girl´. Ein geschlechtsloses Mannequin, aber eindeutig Phallussymbol, nicht die phallische Frau, sondern die Frau zum Phallus stilisiert, ein Phantasmus. Mit einem Wort: Die Projektion der narzißtischen, homosexuellen Objektwünsche des Mannes. Wie sehr das `Fetisch-Girl´auch heute noch seine Funktion erfüllt, den männlichen Blick vor dem Anblick des Schrecklichen zu bewahren, die große Vulva, die Vagina dentata abzudecken, kann man täglich auf Plakaten der Film- und Vergnügungsindustrie sehen, die die Wände unserer Stadt bedecken." (Foto: Repro Vogue Latinoamérica 11/09 pág. 120)

18.6.10

Achtung: TV-Tipp! Als mir damals die Zimmer Frei-Redaktion sagte, dass Emil Steinberger zu Besuch käme, musste ich erst einmal meine Google befragen, wer der Mann ist. Zu meiner großen Schande, denn kurz darauf habe ich erfahren, dass meine Großmutter und Mutter immer liebend gern über seine Sketche gelacht haben. Und in der Tat: ich war begeistert von Emil. Einer der wenigen Männer, die im Showbusiness älter werden, ohne etwas zotiges und gelangweiltes zu bekommen, sondern überaus charmant und lustig bleiben. Daher mein Tipp: diesen Sonntag (18.06.) 22:25 Uhr im WDR Fernsehen: Emil Steinberger bei Zimmer Frei!

SEX AND THE CITY 2: wer den Film noch nicht gesehen hat und nix verraten haben möchte, der lese jetzt nicht weiter. Ich bin extra erst in der dritten Woche in den Film gegangen, in der Hoffnung, klatschende und kreischende Mädels zu verpassen, aber Fehlanzeige. Ein Ständer und dass Samantha vor arabischen Männern mit Kondomen rumwedelt und Sexgebärden macht hat für ordentliche Lacher im Publikum gesorgt... also, puh, der Film war mir eindeutig zu Samantha-lastig. Nicht, dass ich den Charakter nicht mag, aber Charlotte und Miranda sind zu sehr untergegangen: Miranda hat Probleme in den Kanzlei, weil sie eine Frau ist: "Die Amerikaner tun so, als hätten sie kein Problem mit starken Frauen, wünschen sich aber doch wir würden unsere Pommes unter einen Schleier essen..." Ahm, ok. Trotzdem war sie es, die sich wenigstens vor der Reise nach Abu Dhabi einen Reiseführer besorgt hat, sich über Sitten und Bräuche informierte und ständig versuchte, Samanthas Dekolleté oder Beine zu verhüllen. Währenddessen macht Charlotte sich Sorgen, dass die BH-freie Nanny Harry verführt, aber am Schluss stellt sich raus: die Kinderfrau ist homosexuell, eine überflüssige Auflösung. "Vintage" ist ein Thema: Charlotte heult über ihren weißen, von der Tochter versauten, Vintage Valentino Rock und Carrie schenkt Big eine Vintage Rolex zum zweiten Hochzeitstag. Der arme Big, ist meiner Meinung nach, viel zu schlecht weggekommen: nee, der Big aus der Serie würde Carrie niemals zum Hochzeitstag einen Fernseher schenken. Gut fand ich, dass Carrie und Big kinderlos bleiben und diese Entscheidung vor anderen auch selbstbewusst darstellen. Wechseljahre hin oder her, eine Geschäftsfrau wie Samantha muss wissen, dass man in den Vereinigten Emiraten lieber keinen Sex am Strand hat, oder sind die Amis wirklich so doof? Am Ende ist sie jedenfalls endlich wieder im Land der Freiheit wo man überall ungestört vögeln kann- auch auf einem Jeep zu Feuerwerk ("puh..." Nr.2) Die Drehorte waren mir alle zu wenig New York. Zu viel Abu Dhabi und slapstickartiger Umgang mit einer anderen Kultur: "Wow, guck mal, die Frauen tragen Louis Vuitton unter den Burkas!" Und Carrie? Bekommt vom New Yorker miese Kritiken für ihr neues Buch und tröstet sich darüber hinweg durch einen Flirt mit Aiden. Der jedenfalls hat eingesehen, dass er sie damals verbiegen wollte, denn Carrie sei eine besondere Frau- aber warum eigentlich? Ich mochte ihren Rock auf dem Markt, die Turbane, ihre Schlafwäsche und dass sie dem indischen Butler Geld da gelassen hat, damit er mal wieder zu seiner Frau fliegen kann. Hach, die Amis sind wirkliche Samariter. Nee, der Film hat, wie der erste auch schon, nicht viel mit der Serie zu tun. Wer Lust auf Sex and the City hat, sollte sich wirklich lieber die DVDs ansehen. Foto(2): via

16.6.10

Während des Fotografierens für Kleiderköln war ich nie gut darin, Leute auszuquetschen. So habe ich erst jetzt erfahren, dass Gregor Musiker ist. Im März hatte ich all meinen Mut zusammengenommen und ihn einfach spontan beim einkaufen im Rewe angesprochen- ich mag Lebensmittel als Hintergrundmotiv! Nun hat jeder im Raum Köln die Möglichkeit, Gregor einmal "live" zu erleben: im Rahmen des supidupi c/o pop Festivals wird er am Donnerstag, den 24.06. zwischen 17 und 21 Uhr zu jeder vollen Stunde Musik machen auf Alltagsgegenständen, die bei Utensil (Körnerstraße) verkauft werden, wo die vielen kleinen Konzerte auch stattfinden. Be there or be square.

13.6.10

Gestern sah ich im Schauspielhaus das Stück "Yes we can´t" der Forsythe Company. William Forsythe gilt als tonangebend, was modernen Tanz in Deutschland angeht. Die Kritiken zum Stück waren verhalten und Forsythe muss sich immer wieder Vergleiche zu Bausch gefallen lassen, die meiner völlig emotionalen und unfachlichen Meinung nach, ziemlich fehl am Platze sind. Die Tänzer in Trainingsklamotten benutzten die Mikrofone in Stativen als Fixpunkte, es wurde gefiept, gehustet, gelacht, geweint, gesungen und gesprochen, genauer die Frage gestellt: "what is the topic?" Ja, das wusste im Publikum wahrscheinlich keiner so genau, die Tänzer hatten aber eine genaue Ahnung davon, was sie tanzen- das ist Choreographie. Im Grunde ging es um "nichts", das ist mir auch schon in Jelineks "Kontrakte des Kaufmanns" aufgefallen- trotzdem habe ich mich vier Stunden lang köstlich amüsiert. Es scheint, als seien wir im Nihilismus angekommen, alles war schon da, alles hat man schon gesehen- da zeigen wir einfach nichts. Mit dieser Art zu arbeiten ist Theater viel näher an der Gesellschaft dran, als vermutet wird. Die hochprofessionellen Tänzer haben nur mal so angedeutet, was sie zeigen können. Will man nicht? Lässt einen keiner? Ich musste auf jeden Fall spontan an viele qualifizierte Menschen denken, die ohne Arbeit dastehen und ihr Können nicht zeigen können- aber das nur so daher geschrieben- denkt Euch nichts dabei. Foto: Repro Programmheft Schauspiel Köln

12.6.10

Was für eine Woche! In NRW ist die Ampel ausgefallen, die Weltmeisterschaft in "was kann man alles in schwarz-rot-gold herstellen" hat begonnen und ich habe den Rücktritt von Kleiderköln bekannt geben. Die Beweggründe könnt Ihr an Ort und Stelle nach lesen. Aus gegebenem Anlass und weil ich nostalgisch in meinem Fotoalbum geblättert habe, gibt es hier eine kleine Auswahl meiner Lieblingsoutfits. Nr.1: ein Faltenrock mit Punkten- super. Die Dame hat wenig nette Kommentare bekommen, aber zum Glück wird sie sie nicht verstanden haben- sie war Rumänin. Nr. 2: da habe ich den ersten Menschen fotografiert, der beruflich was mit Mode macht, nämlich Stylist ist, ich mag die Schuhe und seine Kette. Nr. 3: eine schüchterne junge Frau mit Streifenshirt und Baskenmütze- zauberhaft! Nr. 4: auch keine netten Kommentare, aber ich steh auf die Hose und seinen arroganten Blick, den man selbst durch die dunkle Sonnenbrille spürt- Attitüde in Kölle!

4.6.10

Diesen Sonntag (06.06.) 22.15 Uhr im WDR Fernsehen: Zimmer Frei! Mit Sky du Mont.