31.7.10

Das Deodorant des Doktorand

Seit ziemlich genau vier Jahren bin ich Teil dieses Zeitphänomens, das sich Blogger nennt. Unter diesen Umständen hat sich mein Interesse für Mode, das irgendwo immer schon vorhanden war, gefestigt. Nun muss ich feststellen: ich habe mir selten so wenig Gedanken über meine Garderobe gemacht wie in den letzten vier Monaten: dem Verfassen meiner Magisterarbeit. Du bist von tausenden von Wörtern umgeben, aber keiner redet mit dir. Treffen mit echten Menschen sind eher physischer als psychischer Natur, ist man gedanklich doch noch bei dem letzten Absatz, der einen Passage, die man nochmal nachlesen wollte, die Frage, ob die Fernleihe rechtzeitig eintrifft, von Unsicherheiten wegen der Formatierung ganz zu schweigen. Ich kann nun den Akademikerlook, über den ich mich jahreslang aufgeregt habe, ein bisschen besser nachvollziehen. Und ziehe den Hut vor Doktoranden, bei denen dieser Zustand nicht Monate, sondern oftmals Jahre dauert. Dennoch wünsche ich diesen Menschen Freunde, die sie darauf aufmerksam machen, dass es Frisöre gibt und Badeanstalten, wo sie einmal das Sitzen sein lassen können. Am Anfang war das Wort und vorher das Aussehen.

29.7.10

Die Masche der Mode

"So häßliche und widrige Dinge sind manchmal modern, als wollte die Mode ihre Macht gerade dadurch zeigen, daß wir ihretwegen das Abscheulichste auf uns nehmen;"

(Georg Simmel: Philosophie der Mode. In: Moderne Zeitfragen Nr. 11. Hrsg. von Hans Landsberg. Berlin: Pan 1905. S. 10)

24.7.10

Käufliche Individualität

Obwohl ich vor gut sechs Wochen mein Streetstyleblog Kleiderköln eingestellt habe, wurde ich diese Woche zum so genannten Bloggersalon ins NRW Forum eingeladen. Der Salon fand als Preview im Rahmen der Fotoausstellung "Menschen des 21. Jahrhunderts" des Streetstylebloggers Styleclicker statt. Der Titel ist eine Hommage an August Sander und seine "Menschen des 20. Jahrhunderts" und obwohl der dokumentarische Charakter von Gunnar Hämmerles Aufnahmen offensichtlich ist, finde ich den Vergleich etwas mutig. Sander hat einen Querschnitt durch alle Berufsgruppen der Weimarer Republik, so auch Bauern und vor allem Angestellte gezeigt, während Streetstyleblogger sich gerne in die hippen Viertel der Großstädte begeben. Die Fotos des berühmten Bloggers aus München werden lebensgroß auf Stehwände projiziert und das Motiv wechselt in kurzen Zeitabständen. Das war zuerst befremdlich: um das Bild ideal wahrzunehmen, muss man den richtigen Winkel treffen und hat man ihn gefunden, schaut einen schon ein neuer Mensch an- schnelllebige Zeit. Dennoch ist es so möglich, viele Bilder zu sehen und die Größe der Fotos ist ebenfalls beeindruckend. Anschließend gab es ein Dinner mit Antipasti, Wein und Pellegrino meets Missoni . Ich saß zu meiner Freude an einem Tisch mit einer illustren Gruppe von Bloggern und habe endlich Cori kennengelernt, außerdem Brini von lieb und teuer (dort gibt es einen schönen Bericht über den Salon), Caty von blossomandcream und den Fashionalyst. Zum ersten Mal ist mir aufgefallen, wie schön es ist, einmal ausgiebig über bloggen und Mode zu quatschen- danke Euch dafür! Anschließend folgte die Diskussion, moderiert von NRW Forum Ausstellungsleiter Werner Lippert und der liebreizenden und immer perfekt gekleideten Yorca Schmidt-Junker, Managing Editor der QVEST. Hämmerle hat sich geduldig und sympathisch allen Fragen gestellt, auch wenn es um die leidlichen von Konkurrenz der verschiedenen Medien und Käuflichkeit ging. Offen sprach er über Sponsoren und Arbeitsweisen und als er beschrieb, wie lange er an Motivwahl und Bearbeitung der Fotos sitzen würde, insistierte Schmidt-Junker und fragte nach der Authentizität dieser "Momentaufnahmen". Zu meinem Erstaunen wählte sie Kleiderköln als Beispiel für eine Bloggerin, die "dieser Maschinerie nicht mehr standhalten kann". Da war dann mein geliebtes blog auf einmal auf der Leinwand zu sehen, die Letter "Auf Wiedersehen" in riesengroß! Ich wusste nicht genau, wie ich reagieren sollte, zumal mir der Unterschied zu einem beruflichen Blogger wie Hämmerle und mir als hobbybloggende Studentin nicht diskussionswürdig erschien. So nutze ich kurzerhand die Twitterwall und zwitscherte: "Hilfe, die da vorne reden über mich!" Und konnte so das Podium begrüßen. Am Ende kam noch einmal die Frage nach der viel besagten Individualität auf, die für mich ein PR-Gag der Modeindustrie ist und auf meinem blog bereits hier lebhaft diskutiert wurde- an dieser Stelle möchte ich zu Kommentatorin Maria Magdalena sagen: Amen! Und zum Thema Käuflichkeit: ich habe zwar geschrieben, dass ich bewusst ohne Sponsoren, Techniker und Designer im Hintergrund blogge, aber nicht, dass ich grundsätzlich dagegen abgeneigt bin. Ich bin einzig dafür, offen damit umzugehen und nicht für jeden kleinen Werber sein persönliches blog herzugeben. Und wie käuflich ich bin, habe ich doch sogleich an der Freude über die Goodiebag von Schwarzkopf gemerkt, die das Event gesponsert haben- machen wir uns nix vor. Obwohl das Haarspray "Löwenmähne" ziemlich gruselig nach künstlicher Erdbeere riecht. Alles in allem für mich ein wunderschöner und auch aufregender Abend der mir gezeigt hat, andere kochen auch nur mit Wasser, aber einige eben mit Pellegrino und dass man durchaus in einem Outfit von weit unter 100 Euro und mit Rossmann-Nagellack auf den Nägel so ein "Fashion Event" überstehen kann! (Foto: v.l.n.r. Yorca Schmidt-Junker, Gunnar "Styleclicker" Hämmerle, Werner Lippert)

22.7.10

Du bist Model, ich bin Brigitte...

Anfang des Jahres hat die Frauenzeitschrift Brigitte eine Revolution angekündigt: die Aktion Ohne Models wurde vielerorts diskutiert (so z.B. hier von Kilian Kerner, Jim Rakete und Fiona Erdmann). Die so genannte normale Frau präsentiert nun die Klamotten in der Zeitschrift. Das Ergebnis habe ich interessiert erwartet und wer mich kennt weiß, dass ich sogleich überlegt habe, mich als Nicht-Model zu melden. Ich bin nicht dick, aber klein und werde gern fotografiert, warum, damit sollte sich lieber ein Psychologe auseinandersetzen. Das ganze Ergebnis der modelfreien Zone ist aber ziemlich daneben. Die normalen Frauen haben alle einen Hauch unnormales, sind Künstlerinnen, Studentinnen, Lehrerinnen, sprich Akademikerinnen und haben ein tolles Hobby oder sind sonst wie aktiv. Die normalen Frauen werden natürlich auch ordentlich zurechtgemacht und retourschiert, wer kann es ihnen verwehren? Diese Aktion treibt einen Keil in die Frauenwelt: vorher standen auf der einen Seite die ätherischen Wesen von ein Meter achtzig und auf der anderen Seite alle anderen Frauen. Nun wird den Frauen suggeriert: jede kann ein Model sein, man muss nur ein wenig Sport treiben, ein wenig die Haut pflegen, ein wenig Gespür für Mode haben... aber der größte Hohn ist, dass die Modelanwärterinnen jetzt per Onlineabstimmung ausgewählt werden! Und: oho! "dabei sind auch viele tolle Frauen über 40"! So einen diskriminierenden Mist kann doch keine denkende Frau über sich ergehen lassen, nur, damit die Nachbarin oder die Kollegin mal sagt: "Nee, wat schick siehste da aus!" (Dementsprechend kritisch sind auch die Kommentare im Gästebuch). Nein, nicht jede Frau kann Model sein, es hat einen Grund, warum große und schlanke Models die Kollektionen präsentieren, es sind lebende, austauschbare Kleiderstangen, die zum Glück für dieses Leben als Anziehpuppe gut bezahlt werden. Der beste Artikel, den ich zu diesem Thema gelesen habe, ist in der aktuellen Texte zur Kunst (Juni 2010, 20. Jahrgang, Heft 78) erschienen. Isabelle Graw beschreibt darin den Trend, alles mit seiner Persönlichkeit untermalen zu müssen. Im Job zählt auf einmal nicht mehr nur noch Deine Arbeitskraft, sondern auch Deine Charakterstärken. Die Werbung dringt in Deinen kleinen privaten Raum ein und verspricht Selbstermächtigung durch Konsum. Reichte es früher einfach gut zurechtgemacht zu sein, muss man Heute zugleich noch einen interessanten Charakter mitbringen. "Ist es wirklich befreiend, ganz man selbst sein zu müssen?" (Texte zur Kunst, S. 67) Aber vielleicht sollte ich mich doch bewerben, denn "die gecasteten Frauen bekommen vergleichbare Honorare wie professionelle Models" Nein, vergleichen lohnt sich nicht immer.

1.7.10

Wochenendtipps für Berlin und Köln!

Ach, in der Hauptstadt ist immer so viel los- da ist es umso schöner einen super Tipp per Mail geschickt zu bekommen und zwar von Misses Glamcanyon Katja Hentschel. Die macht am Sonntag im Dr.Pong mit ihren Mädels von Travelettes ("backpacking in heels") Flohmarkt. Und zwar sammeln die Verkäuferinnen Geld für ihre nächste Reise. Wo das Ziel hingeht, könnt Ihr Schildern auf dem jeweiligen Stand entnehmen und so gleich wissen, welches Abenteuer Ihr da sponsert. Wenn ich am Sonntag nicht zum Badesee fahre, werde ich auf jeden Fall die Forever Love Party von E´de Cologne auf dem Apostelnplatz bei der Mittelstraße in Köln besuchen. Der Eintritt von einem Euro wird zugunsten der Aids-Hilfe Köln e.V. gestiftet. Die Sause geht von 15 bis 22 Uhr- wann kann man schon mal für so wenig Mäuse Hans Nieswandt und den Kompakt-Jungs an den Plattentellern lauschen? Deo auflegen und losgetanzt!