Die Wölfin
Chaim Noll sagte in einer "Welt"-Rezension von 1987 über Christa Wolf: "Die große Lebenslüge der Christa Wolf besteht darin, daß sie sich einem politischen System zur Verfügung stellte, dessen Amoralität ihr bewußt ist." (Quelle: "Kleine Literaturgeschichte der DDR" von Wolfgang Emmerich, 2009, S. 464 ). Am 01.12.11 ist die Schriftstellerin Christa Wolf 82-jährig in Berlin gestorben. Da sie auch im "Lexikon der Rebellinnen" auftaucht, das ich Zuhause stehen habe und in dem ich oft blättere, ist es mir wichtig, hier einen kleinen Eintrag zu schreiben. Dabei habe ich nie ein Buch von ihr zu Ende gelesen, "Kassandra" habe ich zweimal begonnen, aber es ist mir einfach zu sperrig. Das ist natürlich ziemlich peinlich für eine feministische Germanistin, aber ich denke, ich darf dennoch dafür plädieren, den Namen Wolf in wichtiger Erinnerung zu behalten, auch und besonders in Bezug auf die Wiedervereinigung Deutschlands. Als ich für meine mündliche Prüfung im Examen "DDR Literatur" wählte, konnte das mein Professor erst nicht so ganz nachvollziehen, ich käme ja schließlich nicht aus der DDR, aber genau das war ja mein Anliegen: mehr zu erfahren, über die Kulturschaffenden in dem ehemaligen Staat, dessen Ende Berlin zu einer historisch so interessanten Stadt macht. Klar wissen die in Westdeutschland aufgewachsenen meines Alters was die FDJ war und haben vielleicht "Das Leben der Anderen" gesehen, aber ich denke, neben der Vereinigung, der gleichen Währung, der Gedenkstätten, Museen und dem Lachen über Stereotype bedarf es vor allem und nach wie vor Interesse für einander.
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