22.7.14

ungetragen #2 - Das bunte Kleid


Dieses Kleid habe ich noch nie ausgeführt. Ich weiß einfach nicht, ob ich es mag. Meine Großmutter hat es mir vererbt, im Etikett steht "Elisabeth Sport, made in italy". Und obwohl es mich freut, dass es in Europa hergestellt wurde, hat das Prädikat Italien bei mir immer einen Versace-Kopie-Stempel auf das Kleid gemacht.

Mein Freund meinte, es hätte etwas indisches, was mir auf jeden Fall besser gefällt. Und der Schlitz vorn ist keck, genauso wie der Stehkragen mit dem V-Ausschnitt.

Hm. Dieser Sommer ist heiß und vielleicht schafft es da das bunte Kleid mal vor die Türe, heraus aus dem Hinterhof.

20.7.14

#selfie


Im ZEIT Magazin Nr. 29 ging es um so genannte "selfies". Fotos, die man von sich selbst gemacht hat.

Im Artikel "Ich bin hier, also bin ich. Das Selfie macht aus dem Leben eine Ich-Kampagne" von Tillmann Prüfer schreibt er:

"Erst das Digitale führte zu einer größeren Unbeschwertheit in der Fotografie. Seitdem lässt sich der Blick auf sich selbst unendlich varrieren. Das Bild ist ja sofort sichtbar, und man kann es sofort löschen und ein neues machen, das dem Bild, das man von sich selbst hat, näher kommt."
 Da habe ich mich daran erinnert, dass ich auch schon analog "selfies" von mir gemacht habe (Fotos 1-3). Wie man sieht, bin ich Linkshänderin. Und ich habe mir extra Schwarz-Weiß-Filme gekauft, weil ich dachte, das schmeichelt. Mir war es vor etwa 15 Jahren wichtig, auszuprobieren, wie ich auf Fotos "gut" aussehe. Wie ich posen möchte, damit ein Bild, was anschließend mal ein anderer Mensch von mir macht, auch mir gefällt.

Immer wieder wurde ich aber enttäuscht. Ich gefiel mir nicht auf den Fotos, die andere von mir gemacht haben und zwar immer dann, wenn mir die Menschen hinter der Kamera auch nicht so gefielen.

2006 war ich mit zwei Freundinnen in New York. Mit im Gepäck: meine erste Digitalkamera Canon Ixus. Ich machte unzählige "selfies" von mir (letztes Foto). Ich war einfach so beeindruckt von der Stadt, wollte jeden Moment (mit mir zusammen) festhalten und nicht ständig meine Freundinnen fragen, ob sie mich fotografieren. Nach dem Urlaub haben wir dann Fotos ausgetauscht. Mit dem Ergebnis, dass mir meine Freundinnen - nett aber nachdrücklich - sagten, dass sie meine Masse an Selbstportraits schon ziemlich eingebildet finden.

Ich hörte auf, mich selbst zu fotografieren. Zum Glück hatte mittlerweile jeder in meiner Familie eine tolle Digitalkamera und ich durfte für allerlei Probeaufnahmen vor ihre Linse. Mit tollen Ergebnissen. Ein liebendes Auge macht die besten Bilder, würde ich mal behaupten.

Aber ich muss schon schmunzeln, wenn ich mir überlege, wie meine Freundinnen von 2006 jetzt mit ihren Smartphones "selfies" schießen. Am besten aus dem Urlaub.